Pfarrer Jochen Müller und Synodale Annegret Hoffmann

Auch diese Tagung (vom 30.5. bis 2.06.) fand wieder komplett digital statt in der bewährten Form von ZOOM-Webinar und ZOOM-Meetings, war technisch hervorragend vorbereitet und durchgeführt und hat an einigen Stellen von den Erfahrungen der ersten digitalen Synode im vergangenen November erkennbar gelernt.

Eröffnungsgottesdienst vorbereitet aus dem Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid, Superintendent Heiner Montanus:
Vorbereitend waren alle Synodalen gebeten worden, Postkarten mit Grüßen oder Fürbitten zu schreiben. Ein gelber Straßenpostkasten diente im Gottesdienst in der Altstädter Nikolaikirche dann als Ambo und eine Mitarbeiterin verlas als „Postangestellte“ verschiedene Grüße. Die Idee eines Hybrid-Gottesdienstes ging auf. Musikalisch zwischen live-Musik an Orgel und Sologesang und vorproduzierter Musik aus der Kirchenmusikhochschule Herford-Witten. Theologisch ging es um den Predigttext Trinitatis, dem Briefschluss des 2.Korintherbriefes und welche Grüße eigentlich bleibende sein können. Das wurde am Ende mit einer beweglichen Videoinstallation auf einem Saugroboter zu „Befiehl du deine Wege“, der nach einer Wendung in einer Papiertüte einen langen Gang ins Licht führte. Ein kunstvoller und kreativer eschatologischer Schlussakt eines besonders liebevoll vorbereiteten Gottesdienstes.

Grußworte

  • Ministerpräsident Armin Laschet bedankte sich für die rücksichtsvolle und gute Kommunikation mit der EKvW und den verantwortungsvollen Umgang mit der Pandemie.
  • Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen verriet, dass er auf die Stimme der Kirche hört, weil sie wertorientierend sei
  • Weihbischof Wilhelm Zimmermann aus Essen benannte den Stand des ökumenischen Dialogs in Deutschland und sprach eher von einer „Weitervereinigung“ als von einer Wiedervereinigung der Kirchen
  • Der neugewählte rheinische Präses Thorsten Latzel betonte, dass die westfälische und die rheinische Kirche in ihrer Geschichte Vorreiterinnen für eine moderne Kirche gewesen seien (rheinisch-westfälische Kirchenordnung) und sah in einem dreifachen „inter“ die zentralen Aufgaben der Kirche der Zukunft:
    Kirche müsse den inter-professionellen Anspruch auch praktisch einlösen;
    Kirche habe die Aufgabe inter-kulturell zu arbeiten und Menschen mit anderen Sprachen (auch milieubedingten Sprachen) eine Heimat anzubieten
    Kirche müsse auch inter-mediär auftreten und sich hier weiterentwickeln
    In allem stellte er dem Satz „Kirchens und Gottes Mühlen mahlen langsam“ den Anspruch einer heiligen Ungeduld gegenüber
  • Der Generalsekretär der VEM, Volker Dalli stellt die Arbeit vor (25jähriges Jubiläum). Globales Lernen heißt heute miteinander lernen (nicht mehr übereinander lernen). Wir bekommen die Frage gestellt, wo unsere eigenen Strukturen einen ungewollten Rassismus fördern, weil sie weiß (und männlich) geprägt sind…

Mündlicher Bericht der Präses (zusätzlich zu einem ausführlichen schriftlichen Bericht der Präses zu den Handlungsfeldern von Kirche und dem Personalbericht)
Präses Annette ruft zum Aufbruch in eine neue Wirklichkeit auf und fordert dabei eine neue theologische und praktische Beschäftigung mit dem Gebet. Gerade vor der digitalen Bühne von Kirche wird uns die Bedeutung der Leiblichkeit neu vor Augen gestellt. Hier macht sie ein neues, verändertes Zentrum von Kirche aus. Sie stellt die Frage, wo wir blind und taub für Menschen besonders in der Pandemie waren und diese Risse überhaupt wahrzunehmen („Einsatz für die Gerupften“). Im Anschluss an Bedford-Strohm nimmt sie den Begriff des „Inzidenzwertes der Seele“ auf, um auf die besonderen seelsorgerlichen Herausforderungen hinzuweisen. Und schließlich: Auf dem Weg in die Zukunft soll Kirche Räume zur Diskussion eröffnen und nicht einfach weitermachen wie immer, sondern besonders auch nach den tröstenden und richtungsweisenden Erfahrungen in der Pandemie zu fragen.
Aus den beiden Berichten (schriftlich und mündlich) ergaben sich Anträge zur Bearbeitung im Berichtsausschuss:

  1. Antrag aus dem KK Gelsenkirchen und Wattenscheid, mit dem Antisemitismus entschieden entgegengetreten werden soll;
  1. Stärkung der Genfer Flüchtlingskonvention zur Bewahrung und Stärkung der Rechte von Geflüchteten; Verbesserung der Situation von Geflüchteten in der Landes-unterbringung in NRW; Unterstützung der FCEI (Federazione delle Chiese Evangeliche in Italia) zur Versorgung von ankommenden Flüchtlingen auf Lampedusa
  1. Ausbau eines Projekt-, Programm- und Veränderungs-managements und der notwendigen Kompetenzen hierfür auf allen Ebenen in der Organisation der EKvW, um die vielfältigen zukünftigen Prozesse von Veränderungen ressourcenschonend und zielführend bewältigen zu können;
  1. Absicherung digitaler Gremienformate durch die Schaffung dauerhafter rechtlicher Grundlagen, wodurch alle Ebenen und Einrichtungen der EKvW entscheiden können, welche Sitzungsstrukturen sie einführen bzw. beibehalten möchten, um sowohl dem Bedürfnis leibhaftiger Begegnungen als auch der Ressourcenschonung ihrer Mitarbeitenden in Haupt- und Ehrenamt Rechnung tragen zu können;
  1. Antrag des KK Iserlohn auf Einführung eines verbindlichen sozialen Jahres als allgemeine Dienstpflicht wurde an die Kirchenleitung zur weiteren Beratung überwiesen, da zu diesem Thema die gegenwärtige gesellschaftliche Debatte eine gewichtige Rolle spielt und auch der Ständige Ausschuss für politische Verantwortung sowie die Jugendkammer einbezogen werden sollten.

Zu zwei weiteren Themen hat der Berichtsausschuss Informationen zur Kenntnis genommen:

Der Betroffenenbeirat der EKD im Themenfeld Aufarbeitung sexualisierter Gewalt, Prävention, Intervention und Hilfe ist nach einem knappen halben Jahr ausgesetzt worden, weil fünf der zwölf Mitglieder zurückgetreten sind und aus dem Gremium heraus ein Auflösungsantrag gestellt worden ist. Eine extern durchgeführte Evaluation soll im Oktober 2021 abgeschlossen sein. Diese wird neben einer fundierten Analyse auch Erkenntnisse für die künftige gelingende strukturelle Betroffenenpartizipation auf EKD-Ebene liefern. Gemeinsam mit den ursprünglichen Mitgliedern des Betroffenenbeirats soll auf Grundlage der Ergebnisse der Evaluierung diskutiert werden, welche neuen Formen einer systematischen Beteiligung Betroffener angemessener sind.

Standort(e) der kirchlichen Hochschule für Kirchenmusik in Herford (klassische KiMu mit derzeit 29 BA- und MA-Studierenden) und Witten (Popular-KiMu mit derzeit 31 BA- und MA-Studierenden) werden bereits seit 2019 mittels Beauftragung durch die Landessynode intensiv in der Kirchenleitung diskutiert. Ziel ist, die Ausbildung von KirchenmusikerInnen mit hoher Qualität finanziell und strategisch zukunftssicher aufzustellen. „Kirchenmusik ist wesentlich für das kirchliche Leben.“ (Die akademische Ausbildung im Bereich der Popular-Kirchenmusik ist einmalig in Europa und ein erfolgreiches Modell. Lediglich 8 von 22 Landeskirchen haben überhaupt eigene akademische kirchenmusikalische Ausbildungsstätten, die anderen arbeiten mit staatlichen Institutionen zusammen.) Die zunächst angedachte Zusammenlegung beider Bereiche auf dem Campus Herford mit den erforderlichen Aus- und Umbauten wäre eine finanzielle Großinvestition (zweistelliger Millionenbetrag) und zum gegenwärtigen Zeitpunkt ebenso kritisch zu hinterfragen wie ein Neubau für beide Bereiche am Standort der Evangelischen Hochschule in Bochum. Natürlich gab es Standortdiskussionen; so ist die Region OWL hervorragend aufgestellt für die praktische Ausbildung der klassischen KirchenmusikerInnen (Orgel), während Bochum Synergieeffekte vor dem Hintergrund von 2.500 Studierenden der EvH RWL zu bieten hat und auch durch ein externes Gutachten als ein sehr geeigneter Standort bezeichnet wird. Eine Alternative wäre übergangsweise die Ertüchtigung beider Standorte im notwendigen Umfang. Die Landessynode sieht, dass sie zu diesem hochkomplexen Thema, zumal vor dem Hintergrund der finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie, keine verantwortbare Entscheidung treffen kann und überträgt der Kirchenleitung die Entscheidung nach weiteren Beratungen und Prüfungen.

Mündliche Einbringung zum Missionsverständnis von OKR Möller
Die internationale Kritik am herkömmlichen Missionsverständnis verdient besonderer Beachtung:
Zu sehr auf Sündenvergebung konzentriert und dabei die Ungerechtigkeit der Welt aus dem Auge verloren
Der Westen wird selbst zum Missionsfeld für Gottes Mission
Milieuverengter Missionsbegriff, weil das Missionsverständnis von Männer über 40 geprägt wird und zugleich mit Machtstrukturen innerhalb der Kirche verbunden ist.

Ein zweiter Berichtsausschuss hat sich mit diesem Thema und folgenden Anträgen befasst:

  1. die Förderung der interkulturellen Entwicklung in der EKvW mit Beteiligung von Gemeinden und Kirchenkreisen auch durch die Benennung von Beauftragten für Interkulturelle Entwicklung und durch die Einsetzung divers besetzter Fachgruppen (Beteiligung von jungen Menschen, von Mitwirkenden mit Migrationsgeschichte, von POC (People of Colour) und von VertreterInnen aus Internationalen Gemeinden);
  1. die Präzisierung des Missionsverständnisses der EKvW im 21. Jahrhundert als Ergebnis eines mehrjährigen Prozesses, angestoßen durch die Hauptvorlage „Ich bin fremd gewesen und ihr habt mich aufgenommen – Kirche und Migration“; dazu ist ein 16-seitiges Thesenpapier entstanden, das auf der Seite der EKvW zu finden ist.

Einbringung der Vorlage zu den Interprofessionellen Pastoralen Teams durch OKR Göckenjahn-Wessel
Schwerpunktthema der Synode war „Interprofessionelles Arbeiten in der EKvW“, wozu ein eigener Tagungsausschuss gebildet worden war, in dem neben der Personaldezernentin Oberkirchenrätin Katrin Göckenjan-Wessel auch Superintendentin Kerstin Goldbeck aus dem Nachbarkirchenkreis Hamm mitgearbeitet hat. Nach der erfolgreichen Durchführung der Pilotphase der Interprofessionellen Teams legte die Kirchenleitung der Landessynode das Gesamtkonzept “Interprofessionelle Pastoralteams in der Evangelischen Kirche von Westfalen” vor, worauf die Landessynode dieses Gesamtkonzept beschlossen hat. In der Folgezeit ist der Synode über die Umsetzung zu berichten.
In diesem Zusammenhang hat die Synode einen Planungskorridor von Gemeindepfarrstellen in der EKvW auf der Grundlage des aktuellen Personalberichts beschlossen. Seit etwa 2003 ist zu erkennen, dass das Verhältnis von Pfarrpersonen zur Gemeindegliederzahl nicht vorrangig ein Finanz- sondern vielmehr ein Personalproblem darstellt, weil der theologische Nachwuchs die Zahl der in den Ruhestand gehenden PfarrerInnen nicht ausgleichen kann. Dabei ist zunächst bis zum 31.12.2025 von einem Verhältnis von einer Pfarrstelle pro 3.000 Gemeindegliedern auszugehen.
Folgender Ausblick ist zu bedenken:
Landessynode 2024: Beschluss über Korridor bis Ende 2030 (Stand jetzt: 1 : 4000)
Landessynode 2029: Beschluss über Korridor bis Ende 2035 (Stand jetzt: 1 : 5000)
Für die Errichtung von Interprofessionellen Teams (PfarrerInnen, GemeindepädagogInnen, DiakonInnen, KirchenmusikerInnen) gilt zurzeit der Schlüssel von einer Vollzeitstelle für 3.000 Gemeindeglieder. Die Landessynode hat die Kirchenleitung gebeten, eine Auftaktveranstaltung zum Interprofessionellen Arbeiten mit Beteiligung erfahrener Team-Mitglieder sowie der Ausbildungsstätten zeitnah zu initiieren.

Ausschussarbeit im Finanzausschuss

  • Der Finanzausschuss befürwortet die Anhebung der Vikariatsgehälter auf rund 2000 €/Monat von zurzeit rund 1500 €, weil die umliegenden Kirchen sich für einen ähnlichen Anstieg entschieden haben, diesen allerdings mit der Angleichung an das Bundesbeamtenbesoldungsgesetz begründen. Die EKvW befürwortet eine Regelung von 50% des Eingangsgehalts A12 Stufe 5, um sich nicht an andere beamtenrechtliche Vorgaben binden zu müssen und dennoch konkurrenzfähig zu bleiben.
  • Die Reduktion der Landesposaunenwartsstellen von 200 auf 150% führt zu einer Reduktion des inhaltlichen Angebots. Es wird aber weiter geprüft, wie eine alternative Finanzierung der reduzierten halben Stelle über Fundraising ermöglicht werden könnte. Auf die 50 Stelle haben sich 14 Bewerber*innen beworben. Mit ihnen wird das Gespräch gesucht.
  • Die Landeskirche geht in ihrer derzeitigen Steuerplanung für 2022 von einem Minus von 4% aus und möchte mit 490 Mio planen.
  • Der Bericht der Ökumenemittel durch OKR Ulrich Möller wurde zur Kenntnis genommen. Weiterhin wird mit einem Vorwegabzug von 3,25% gerechnet, von denen allerdings auch 1,5% als Zuweisung für Brot für die Welt enthalten sind. Es gibt Planungen, dass das IGM mit der MÖWe zusammengelegt werden sollen und trotzdem Einsparungen bis 2028 bis zu 30% erreicht werden sollen.
    Die Landeskirche geht infolge der Freiburger Studie von einer Einsparnotwendigkeit bis 2025 um 25% und bis 2030 um 30% auf allen Ebenen aus – das wird noch über die verschiedenen Ebenen auch bei uns im KK ankommen

Alle Beschlüsse und Berichte im Wortlaut finden sich hier:
https://www.evangelisch-in-westfalen.de/kirche/ueber-uns/landeskirche/landessynode/fruehjahrssynode-2021/

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